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Energie darf nicht passiv spielen
Tolcay Cigerci, Kapitän des FC Energie Cottbus (Quelle: IMAGO / STEINSIEK.CH)
  • Energie Cottbus verspielt zum fünften Mal in Folge eine Führung
  • Trainer Wollitz moniert das "Nacharbeiten" gegen den Ball
  • Offensiv fiel den Cottbusern zu wenig ein
  • Nur wenn Energie aktiv und mutig auftritt, hat das Team eine Chance in der 2. Liga

Von Paul Simmank

Es ist wie mit einem Kaugummi. Anfangs schmeckt er intensiv und erfrischend, doch nach einer Weile verfliegt das Aroma und es bleibt nur noch ein zäher Klumpen zwischen den Zähnen. So ähnlich fühlte sich das Spiel des FC Energie Cottbus gegen den VfL Bochum am Freitagabend an. Energie trat zunächst vielversprechend auf. Und verspielte in der 2. Fußball-Bundesliga letztlich bereits zum fünften Mal in Folge eine 1:0-Führung. Die Heimniederlage offenbart: Die Mannschaft darf nicht passiv spielen.

"Nacharbeiten" ist unabdingbar

Ein Wort benutzte Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz nach dem 1:2 besonders häufig: "Nacharbeiten". Damit meinte er das sofortige Umschalten von Angriff auf Verteidigung, auch Gegenpressing genannt. Eine unabdingbare Tugend für Energies aggressiven Spielstil. Die Offensivspieler sind die ersten Verteidiger. So gelangen in der ersten Halbzeit einige Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte. Einen davon holte Moritz Hannemann vor dem Elfmeter zur Cottbuser Führung.

Allerdings darf sich kein Spieler der Arbeit gegen den Ball entziehen. Ohne explizit seinen Namen zu nennen, nahm Wollitz Ersatz-Kapitän Tolcay Cigerci recht deutlich in die Pflicht. Zwar lenkte der Torschütze das Cottbuser Offensivspiel und war an sieben der 14 Abschlüsse seiner Mannschaft direkt beteiligt. Doch das Nachsetzen nach Ballverlusten überließ er teilweise seinen Mitspielern.

Mehrmals konnte man beobachten, wie der im Pressing sehr aktive Hannemann mit seinen Armen ruderte, um den Kreativspieler zum Anlaufen zu animieren. Fast die Hälfte aller Bochumer Angriffe lief über Cigercis rechte Seite. Nicht nur vor dem Ausgleichstreffer fand sich Außenverteidiger Henry Rorig allein in den Duellen mit seinen Gegenspielern wieder.

Mit und gegen den Ball nicht intensiv genug

Mit dem Ball agierten die Gastgeber zunehmend ideenloser. Die Brandenburger kontrollierten zwar das Spiel, stellten die VfL-Verteidigung trotz ihrer 57,5 Prozent Ballbesitz nur noch selten vor Probleme. Es ist bezeichnend, dass die drei Cottbuser Aufbauspieler Erlein, Manu und Bittencourt die meisten Ballbesitzphasen aller Spieler auf dem Feld aufwiesen. Ihre zahllosen Querpass-Kombinationen passten nicht zum sonst so spielwitzigen Cottbuser Ansatz. Dazu gehört aber auch, dass ihre Vorderleute kaum noch dynamische Läufe in die Tiefe anboten. Der offensive Bewegungsfluss kam im zweiten Spielabschnitt fast zum Erliegen. Der Kaugummi hatte keinen Geschmack mehr.

Dabei lebt Energies Spiel doch so sehr von der Intensität in allen Spielphasen. An diesem Abend liefen die Gäste etwa zwei Kilometer mehr als die Hausherren. Und das, obwohl der Revierklub noch drei Tage zuvor im DFB-Pokal gefordert war. Erneut wirkten die Lausitzer platt. In der 3. Liga zermürbten sie ihre Gegner mit hoher Intensität und konnten die Partien noch spät für sich entscheiden. Nun fällt es ihnen schwer, dieses Tempo bis zum Schluss durchzustehen. Der FCE kassierte beide Treffer in der letzten halben Stunde – so wie inzwischen die Hälfte aller 20 Gegentore.

Es geht nur aktiv und mutig

Mit seiner immer passiver werdenden Art gegen den Ball ließ der Aufsteiger die bislang schwächste Offensive der Liga ins Spiel kommen. Bei ihrem zweiten Tor wurden die Bochumer nach einem Cottbuser Ballverlust schon im Mittelfeld zu wenig gestört. Jeder Rot-Weiße war ein Stück zu weit von seinem Gegenspieler entfernt. Auch der erst 19-jährige Luca Erlein konnte den Einschlag nicht mehr verhindern und war als letzter Mann zu leicht auszutanzen. Die Niederlage sei "die Strafe, wenn man nicht nacharbeitet gegen den Ball", so Wollitz. Nur wenn seine Mannschaft aktiv und geschlossen verteidige, könne sie in der 2. Bundesliga bestehen.

Zehn Punkte aus zehn Spielen sind eine solide Bilanz für einen Aufsteiger. Und doch war angesichts der zahlreich verspielten Führungen mehr drin. Die Wollitz-Elf sollte schnell wieder zu ihrem mutigen Spiel finden. Dann könnte vielleicht schon in der nächsten Partie gegen Braunschweig aus dem zähen Kaugummi ein prickelnder Brausebonbon werden.