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Fußball, Landesliga Mitte: Alarmstufe Rot in Seebach: An der Waldsportanlage brennt nach dem 0:2 gegen Grainet endgültig der Baum
Mit dem Rücken zur Wand – oder wie im Fall von Simon Griesbeck am Boden: Der TSV Seebach kämpft mit Verletzungssorgen, fehlenden Erfolgserlebnissen und akuter Abstiegsgefahr um den Verbleib in der Landesliga. In Tegernheim zählt nur ein Sieg. - Foto: Franz Nagl

Der Vizemeister der Vorsaison steckt tief im Tabellenkeller der Landesliga Mitte fest und steht aktuell auf einem Abstiegsrelegationsplatz. Fünf Spiele ohne Sieg, lediglich zwei Unentschieden erzielt. Die „Hoizhacker“ sind im freien Fall.

Dabei waren die Vorzeichen vor der Saison alles andere als einfach. Ein gewaltiger Umbruch erschütterte den Verein. Gleich acht Spieler verließen den TSV Seebach, darunter zahlreiche Leistungsträger mit reichlich Bayern- und Landesliga-Erfahrung. Als wäre das nicht genug, verabschiedete sich auch noch Trainer Wolfgang Beller (62) während der Vorbereitung. Der Erfolgscoach zog die Reißleine und heuerte später bei der DJK Vilzing an.

Als Andreas Kölbl (40) gemeinsam mit Co-Trainer Quirin Grabolle (29) kurz vor Saisonstart das Kommando übernahm, war ihm die Ausgangslage bereits klar: Es würde ein harter Kampf gegen den Abstieg werden. „Bei meiner Amtsübernahme haben bereits acht Spieler den Verein verlassen, der Kader war viel zu klein“, schildert Kölbl die schwierige Situation. Immerhin passen die drei jungen Neuzugänge, die noch vor Wechselschluss geholt wurden, nach Einschätzung des Trainers sowohl sportlich als auch menschlich perfekt ins Team.

Verletzungspech ohne Ende

Doch die eigentlichen Probleme begannen erst danach. Der ohnehin dünn besetzte Kader wurde durch eine wahre Verletzungswelle weiter dezimiert. Sieben bis acht Leistungsträger fallen mit teils schwerwiegenden Blessuren aus. „Durch die extreme Belastung im August mit dem kleinen Kader sind diese Verletzungen entstanden. Das können wir überhaupt nicht kompensieren“, erklärt Kölbl. An geregeltes Training ist kaum zu denken. Oft stehen maximal zehn Feldspieler auf dem Platz, während der Rest verletzt oder angeschlagen pausieren muss, um wenigstens am Wochenende einsatzfähig zu sein.

Die Folgen sind gravierend: „So können wir keine Abläufe einstudieren“, macht der TSV-Coach deutlich. Wie prekär die Lage ist, zeigt das Beispiel von Simon Griesbeck (25). Nach einer zweimonatigen Pause wegen Leisten- und Schambeinproblemen absolvierte der Unterschiedsspieler lediglich zwei Trainingseinheiten, ehe er direkt über die volle Distanz von 90 Minuten ranmusste. „Das ist natürlich nicht förderlich für seinen Körper“, sagt Kölbl. „So kämpfen wir uns Woche für Woche durch.“

Trotz aller Rückschläge will der Trainer keine Ausreden gelten lassen. Im Gegenteil: „Wir haben es in den vergangenen Wochen trotz aller Umstände geschafft, die Spiele mindestens ausgeglichen zu gestalten.“ Jetzt sind Charakter und Kampfgeist gefragt. „Jeder muss alles auf dem Platz lassen was er hat“, fordert der 40-jährige und verweist auf die Grundtugenden des Fußballsports.

Gegen Grainet sah es zunächst noch so aus, als könnte der TSV Seebach endlich wieder Zählbares mitnehmen. Die Kölbl-Elf legte engagiert los, erspielte sich in der Anfangsphase gute Möglichkeiten und setzte die Hausherren unter Druck. „Wir sind ordentlich ins Spiel gestartet und hatten auch gleich drei Chancen“, bilanzierte Trainer Kölbl nach dem Schlusspfiff. Doch mit zunehmender Spieldauer verlor der TSV mehr und mehr den Faden. Vor allem Einsatz und Leidenschaft ließen über weite Strecken der ersten Halbzeit zu wünschen übrig. Kölbl sprach nach der Partie von einer „sehr dürftigen Leistung, auch was den Kampfgeist betrifft“.

Erst eine deutliche Kabinenansprache zeigte Wirkung. Nach dem Seitenwechsel präsentierten sich die Gäste wesentlich wacher und übernahmen wieder die Initiative. Gegen tief stehende Graineter fanden die Seebacher aber nur selten die entscheidenden Lücken. Und wenn sich Chancen ergaben, blieb einmal mehr die nötige Konsequenz vor dem Tor aus. So wiederholte sich die Geschichte der vergangenen Wochen. Trotz ordentlicher Möglichkeiten stand der TSV am Ende erneut mit leeren Händen da. Die mangelnde Chancenverwertung wurde zum entscheidenden Faktor. Oder, wie es Kölbl treffend formulierte: „Wenn du kein Tor schießt, kannst du auch kein Spiel gewinnen.“ Eine Fußball-Floskel zwar, aber im Fall des TSV die bittere Realität.

In Tegernheim zählt nur ein Sieg

In Tegernheim steht der TSV unter Zugzwang. Punkte sind Pflicht, wenn der Anschluss ans rettende Ufer nicht aus den Augen geraten soll. Kölbl weiß: „In Tegernheim erwartet uns wieder ein direkter Konkurrent. Wir müssen unsere PS auf den Platz bringen und jedem muss bewusst sein, dass es nur mit absoluter Leidenschaft und Einstellung gehen wird, und dann hoffe ich mal, dass wir es diesmal schaffen unsere Torchancen effektiver zu verwerten und so das Spiel auf unsere Seite ziehen können!“

Dem TSV steht ein heißer Herbst bevor. Die Lage ist angespannt, aber längst nicht aussichtslos. Trainer Kölbl blickt mit Sorge, aber auch mit Kampfgeist auf die kommenden Wochen: „Wir müssen uns irgendwie in die Winterpause retten. Bis dahin brauchen wir Punkte, damit der Abstand nach vorne nicht zu groß wird.“ Dabei weiß der TSV-Coach genau, dass die Tabelle noch lange keine Vorentscheidungen kennt. Die Teams liegen eng beieinander, jeder Spieltag kann das Klassement durcheinanderwirbeln. Dennoch findet Kölbl klare Worte: „Du brauchst jetzt einfach mal wieder einen Sieg, um den Anschluss nicht zu verlieren. Irgendwann musst du das Spielglück auch erzwingen.“

Die Hoizhacker stehen mit dem Rücken zur Wand. Doch gerade jetzt zeigt sich, ob in Seebach noch genügend Holz für den Klassenverbleib nachgelegt werden kann. Klar ist aber auch: Im Kampf um den Ligaverbleib brauchen die Deggendorfer Vorstädter dringend eine Entspannung an der Verletztenfront. „Wir werden weiterhin alles versuchen, auch wenn die Voraussetzungen, was beispielsweise den Trainingsbetrieb betrifft, alles andere als optimal sind“, unterstreicht der Coach der Seebacher. Sonst könnte der ohnehin schwere Abstiegskampf zur Mammutaufgabe werden.

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