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Der Wunschkandidat der Krösche-Nachfolge wird zum Schnäppchen

Joti Chatzialexiou wird wohl neuer Sportvorstand bei Eintracht Frankfurt. Er passt zur neuen Ausrichtung und kostet weniger als eine Million Euro.

Die Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt drücken unvermindert aufs Gaspedal. Im Herzen von Europa weht plötzlich ein anderer Wind, es herrscht ein anderer Zug. Da geht es in erster Linie um den sportlichen Sektor. Den baut Oberboss Axel Hellmann nach seinen Vorstellungen um. Erste fühlbare Konsequenzen: Ex-Kapitän Sebastian Rode rückt nahe heran an die Mannschaft und an den Trainer. Eine durchaus smarte Entscheidung. Vielleicht auch eine für die Zukunft.

Das soll er sein: Joti Chatzialexiou, der neue Sportvorstand der Eintracht Frankfurt?
Das soll er sein: Joti Chatzialexiou, der neue Sportvorstand der Eintracht Frankfurt? © picture alliance/dpa | Daniel Karmann

Sportdirektor Timmo Hardung wird im Gegenzug dort abgezogen und stärker in strategische Aufgaben eingebunden. Sein Platz während der Bundesligaspiele ist fortan die Vorstandsloge, nicht mehr die Trainerbank. Inwieweit Hardung eine mittelfristige Perspektive beim hessischen Bundesligisten haben wird, hängt von den Ideen des neuen Sportvorstands ab.

Neuer Wind bei der Eintracht: Axel Hellmann baut den sportlichen Sektor um

Aufsichtsratschef Mathias Beck hat bei der Nachfolge des demissionierten Markus Krösche keine Zeit verloren und einen sehr guten Job gemacht. Die Gespräche mit dem Wunschkandidaten sind abgeschlossen, eine Einigung herbeigeführt. Die Verpflichtung von Joti Chatzialexiou steht unmittelbar bevor. Der 50-Jährige, in Frankfurt geboren und sozialisiert, steht momentan noch beim Zweitligisten 1. FC Nürnberg in Lohn und Brot. Beim Club verlängerte er seinen Vertrag erst im August.

Nun naht das vorzeitige Ende seiner Tätigkeit als Sportvorstand, relativ unkompliziert und geräuschlos sogar. Der Ex-DFB-Funktionär hat in seinem Arbeitspapier eine Klausel verankert, die einen vorzeitigen Ausstieg möglich macht. Zu einer Summe, die unterhalb eines siebenstelligen Betrags anzusiedeln ist. Die Eintracht bekommt ihren Topfavoriten für weniger als eine Million Euro.

Ein Schnäppchen, ein Coup. Zumal, wenn man bedenkt, dass für Markus Krösche noch eine weitaus höhere Ablöse winkt, wenn dieser mit Milan einig wird. Letzte Details werden beim Chatzialexiou-Deal aktuell geklärt. Dass der Wechsel auf höchster Ebene durchgehen wird, steht außer Frage. Der Deutsch-Grieche war immer die favorisierte Lösung für die Krösche-Nachfolge.

Die ins Spiel gebrachten Benjamin Weber (Augsburg) und Marcel Schäfer (Leipzig) waren Nebelkerzen. Mit Ex-Kapitän Christopher Spycher gab es einen guten Austausch, beide Parteien fanden aber nicht zusammen. Die Eintracht-Bosse waren nicht vollends überzeugt. Chatzialexiou arbeitete früher in der Eintracht-Jugend als Trainer, ist seitdem gut bekannt mit Axel Hellmann. Beide schätzen sich in höchstem Maße. Auch zu Vorstandsmitglied Philipp Reschke pflegte er in der Vergangenheit einen vertrauensvollen Austausch. Demnächst als Kollegen.

Wer aber ist eigentlich dieser Panagiotis, genannt Joti, Chatzialexiou? Dieser Mann, dessen Nachname nicht ganz so leicht von der Zunge geht, der ein angenehmer, verbindlicher Typ ist. Ein moderner Stratege, bestens vernetzt und mit einer großen Daten-Affinität. Beim 1. FC Nürnberg, seinem Noch-Klub, hat er schnell ein neues Scouting-Modell eingeführt, was im Profigeschäft ja immer wichtiger wird, um interessante Spieler frühzeitig für sich zu gewinnen.

Erfolgreiches Scouting-Modell: Mentalität schlägt Qualität im fränkischen Vorbild

Bevor die größeren und potenteren Klubs ins Rennen einsteigen, am besten noch mit einer schönen Wertsteigerung. Da braucht’s Tempo, verlässliche Werte und eine ausgeklügelte Software, die aus Sicht von Chatzialexiou einen Euro mehr kosten darf. Hat im Frankenland gut funktioniert, beim Klose-Klub und aktuellem Tabellenzweiten.

Finn Jeltsch (mittlerweile VfB Stuttgart) und Stefanos Tzimas (Brighton) sind Beispiele für das in Frankfurt bestens bekannte Geschäftsmodell. Mohamed Ali Zoma könnte der Nächste sein, einst aus der dritten italienischen Liga für 1,5 Millionen Euro geholt, mittlerweile italienischer Nationalspieler. Marktwert 20 Millionen Euro. Deals, für die auch ein gewisser Markus Krösche bekannt war, in anderen Größenordnungen, versteht sich.

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Der setzte auf ein Scouting-System, das auf einer datengestützten und softwarebasierten Filterung basiert, ergänzt durch Video- und Live-Scouting. Chatzialexiou sieht bei aller Datenaffinität aber auch den Charakter als entscheidenden Parameter, den Menschen hinter dem Spieler, zuträglich für eine gesunde Kabinenhygiene. Einer seiner Leitsätze lautet: „Mentalität schlägt Qualität“. Hilfreich bei der Spieleraquise ist natürlich sein Netzwerk, das er sich speziell durch die zwei Jahrzehnte beim DFB aufgebaut hat.

Der Krösche-Nachfolger steht wohl fest: Alles bereitet sich auf Joti Chatzialexiou vor

Da sind viele und gute Kontakte entstanden zu Profis, Beratern und Vereinsfunktionären. Vor allem in seiner Funktion als Manager der U21-Auswahl und als sportlicher Leiter Nationalmannschaften. Gemeinsam mit Sportdirektor Matthias Sammer stieß er grundlegende Reformen der Talentförderung an, galt als Antreiber des „Projekt Zukunft“ und entwickelte mit Oliver Bierhoff die inhaltliche Ausrichtung der DFB-Akademie.

Chatzialexiou, der sich selbst als klassischen „Straßenkicker“ bezeichnet, hat ein Händchen im Umgang mit Talenten und ein Auge für diese. Er zählt zu den renommiertesten und profiliertesten Experten auf diesem Gebiet. Auch damit wird Chatzialexiou bei den Verantwortlichen seines designierten, neuen Arbeitgebers gepunktet haben.

Sein Profil passt zur modifizierten Ausrichtung des Vereins, mehr auf junge deutsche Spieler – bestenfalls – aus dem eigenen Nachwuchs zu setzen. Und: Bevor Chatzialexiou 2003 seine Karriere beim DFB startete, war er bereits für die Eintracht im NLZ aktiv. Einen gewissen Stallgeruch, wenn auch etwas verblasst, bringt er also mit. Kann ja nicht schaden.

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