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Kann nur Füllkrug Deutschland retten - oder zerstört er Klopps Strategie?
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Niclas Füllkrug ist der aktuell beste Torjäger der Bundesliga. (Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto)

Soll Niclas Füllkrug auch wieder im DFB-Team stürmen? Viele Fans beantworten diese Frage mit Ja, doch Bundestrainer Jürgen Klopp entscheidet anders. Auch in der ntv.de-Redaktion gehen die Meinungen auseinander.

Füllkrug ist toll - aber keiner fürs DFB-Team

Torjäger, Fanliebling und 2024 ein Lichtblick im DFB-Team: Niclas Füllkrug findet mit seiner Rückkehr zu Werder Bremen zu seiner Hochform zurück. Mit acht Toren nach sieben Spieltagen ist er derzeit der beste Torjäger der Bundesliga. Auch im DFB-Pokal trifft er gegen Borussia Dortmund doppelt - und bringt seinen Ex-Klub beim 3:2 der Schwarzgelben mächtig ins Schwitzen. Doch Bundestrainer Jürgen Klopp hat recht damit, dass er den Stürmer nicht fürs DFB-Team berücksichtigt.

Denn auch wenn das Argument seines Alters ein Altes - ja, billiger Witz - ist, Klopp ("Niclas Füllkrug schießt in der Bundesliga ein Tor nach dem anderen - aber er ist 33. Das ist nicht meine Schuld") nennt es berechtigterweise. Denn er weiß: Das nächste Turnier steht erst mit der Europameisterschaft 2028 an. Dann ist Füllkrug bereits 35 Jahre alt. Es ist schön und gut, dass die Nations League ja quasi immer läuft - auch im November wieder. Und klar, die Sehnsucht der Fans nach Füllkrug könnte mit einer Nominierung billig gestillt werden. Doch das bringt Klopp und das DFB-Team nicht weiter.

Es muss jetzt ein Kader aufgebaut werden, der perspektivisch erfolgreich ist. Klopp tut also gut daran, jetzt schon zu testen, welche Stürmer auch in zwei Jahren Tore im DFB-Trikot schießen können. Es lohnt sich also für den DFB, lieber am offenbar noch unschlüssigem Nicolò Tresoldi zu baggern, der in der U21 und beim FC Brügge Tore wie am Fließband schießt, als Füllkrug als Lückenfüller - ja, der nächste billige Wortwitz - zu nehmen.

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Tormaschine Füllkrug lässt Klopps 33-Ansage einfach mal stehen

Fußball

Denn dass dieser auch im DFB-Trikot so reüssiert wie im Werder-Shirt, ist nicht garantiert. Zwei Jahre lang kam er kaum zum Zug. Bei West Ham United funktioniert es genauso wenig wie bei der AC Mailand. "Jetzt sind wir an einem Punkt, wo er nach einer schweren Zeit in einer körperlichen Topverfassung ist und sich darüber hinaus auch nicht mehr treiben lässt. Das in einem Umfeld, in dem ihm das Vertrauen geschenkt wird, um wieder dahin zu kommen, wo er gerade ist", sagte Werder-Trainer Daniel Thioune nach der knappen Pokal-Niederlage.

Heißt: Füllkrug befindet sich bei Werder in seiner Wohlfühloase. "Vielleicht bin ich auch mit bestimmten Umständen nicht klargekommen und hatte Probleme, die nicht zu lösen waren. Ich bin glücklich, dass ich das jetzt wieder kann und wie mich der Verein dabei unterstützt", sagte Füllkrug im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF. Dort, wo er als Jugendlicher im Internat von der großen Karriere träumte, dort, wo er nach seinen langwierigen Verletzungen groß rauskam, dort, wo er jetzt wieder mit viel Liebe empfangen wurde.

Das DFB-Team aber ist nicht Werder. Und noch etwas spricht gegen Füllkrug: Nach drei anstrengenden Spielen in zwei Wochen gab Thioune ihm gegen den BVB eine Verschnaufpause. "Ich habe mit Niclas zusammengesessen, wir haben gesehen, was am vergangenen Wochenende los war, und das haben wir dann so besprochen", erklärte er. Im vorhergegangenen Bundesliga-Spiel gegen Mainz war Füllkrug nach 81 Minuten ausgewechselt worden: "Ich hatte früh angezeigt, dass ich herausmusste. Ich habe gemerkt, dass ich nicht mehr bei 100 Prozent war." Wenn sich der Bundestrainer in einem Turnier aber nicht darauf verlassen kann, dass er jeden seiner Spieler zu jederzeit einsetzen kann, ohne dass dieser an seine Belastungsgrenzen kommt, ist dieser im brutal harten Leistungssport eben fehl am Platz. Er kann es sich nicht leisten, einen Spieler für 60 Minuten mitzunehmen.

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Sabitzer erlöst BVB in letzter Minute mit Traumtor

Füllkrug soll und darf in der Bundesliga weiter die Favoriten ärgern. Er soll mit Toren und seiner sympathischen Art begeistern. Jürgen Klopp aber muss dem Hype nicht verfallen.

-Anja Rau

Auch die DFB-Youngsters profitieren von Fülle

Zack. Waldemar Anton, Sekunden zuvor per Beinschuss vernascht, kann nur hinterherschauen, wie Niclas Füllkrug in bester Erling-Haaland-Manier davonprescht und die Kugel unnachahmlich in die Maschen drischt. Nicht bloß ein Treffer zum zwischenzeitlichen 2:2 im Pokalspiel beim BVB am Dienstagabend, sondern ein Statement des Werder-Stürmers. Sieh her, Deutschland, so geht Toreschießen auf höchstem Niveau.

In neun Spielen seit seiner Rückkehr nach Bremen hat Füllkrug nun elf Tore erzielt. Die beste Torquote im deutschen Elite-Fußball. Schon allein aus diesem Grund sollte Jürgen Klopp am 5. November, wenn er seinen Kader für die nächsten Länderspiele in der Nations League gegen Serbien und die Niederlande verkündet, wieder auf den Mittelstürmer setzen. Tatsächlich bleibt dem Bundestrainer gar keine andere Wahl, denn auch neben den vielen Treffern stapeln sich die Argumente für Füllkrug.

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Füllkrug fehlen nach Pokal-Aus die Worte

Bremen agierte in Dortmund ohne Füllkrug offensiv ähnlich wie Klopps DFB-Elf in der Nations League (von der Partie gegen Serbien abgesehen): gefahrlos und ohne Durchschlagskraft. Dann wurde Füllkrug eingewechselt und es brannte sofort. Und es klingelte zweifach innerhalb von vier Minuten. Werder spielte wie ausgewechselt, allein schon aufgrund der Präsenz des Stürmers auf dem Platz. Füllkrug hatte auch Einfluss auf den Gegner, der BVB kam gar nicht mehr zurecht und hatte Glück, nicht auch das 2:3 zu kassieren.

Füllkrug bringt genau die Kaltschnäuzigkeit, Durchsetzungskraft und Gefahr mit, die Klopp nach den Spielen gegen Griechenland und Co. forderte. Seine Anwesenheit bindet die Aufmerksamkeit der gegnerischen Defensive, was auch Räume für die Mitspieler schafft. Denn Füllkrug trifft per Kopf, per Fuß, im Fünfmeterraum, von außerhalb des Strafraums - momentan eigentlich, wie er will. Er bringt das volle Paket, wenn er fit und in Topform ist, und zusätzlich eine gute Technik (siehe Tunnel gegen Anton) und macht die Bälle mit seinem massigen Körper fest. Wieso sollte Klopp auf dieses große Repertoire an Torgefährlichkeit verzichten?

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Klopp sendet Niclas Füllkrug eine doppelte Botschaft

Fußball

Topform hin oder her, Klopp hat zurzeit schlichtweg keinen anderen Spieler mit diesen Fähigkeiten zur Verfügung, denn Deutschland hat neben Füllkrug keinen weiteren Mittelstürmer vom Typ kantige, klassische Nummer 9. Der Werderaner erweitert das offensives Spektrum der Nationalelf enorm, für die jeweiligen Gegner ist es folglich schwierige, sich auf die Mannschaft einzustellen. Und dass Klopp gut mit Mittelstürmern kann, hat er in Dortmund mit Robert Lewandowski bewiesen.

Dann ist da noch dieses Mentalitätsding. Klopp will Spieler, die sich durch extremen Siegeswillen, Widerstandskraft und Einsatz bis zur letzten Sekunde auszeichnen. Mentalitätsmonster eben. Genau das ist derzeit Niclas Füllkrug. Wie er bei Werder nach der schwachen Zeit im Ausland eingeschlagen hat, wie er den Abstiegskandidaten aus dem letzten Jahr mit seiner Persönlichkeit wieder eine Siegermentalität eingehaucht hat, wie er mit seinem Selbstbewusstsein seine Kollegen mitreißt, ist außergewöhnlich. Klopp will Heavy-Metal-Fußball. Und anders als etwa die Offensivkünstler Kai Havertz, Florian Wirtz oder Jamal Musiala kommt Füllkrug absolut über seinen unerschütterlichen Einsatz. Er brennt und giert, auf Tore und Erfolge.

Füllkrug ist mittlerweile auch ein Vollprofi mit Vorzeigecharakter. Er setzt sich ohne Murren auf die Bank (so geschehen etwa bei der EM 2024 oder gerade in Dortmund im Pokal), kommt dann rein und knipst. DFB-Sportdirektor Rudi Völler bekräftigte diesen Punkt jüngst und sagte: "Wenn so die Quote weitergeht, und das haben wir ja schon erlebt mit ihm, auch bei der Europameisterschaft, wenn du einen Stürmer hast, den du noch mal reinschmeißen kannst, der so eine Kopfballqualität hat, das ist immer noch enorm wichtig." Bei einem EM- oder WM-Turnier muss nicht jeder Spieler jeder Partei über 90 oder 120 Minuten spielen können, sondern genau die Rolle ausführen, die ihm zugeteilt wurde.

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Kompany, Kane, Kimmich: Klopp-Aussagen wundern Söder

Der Werder-Stürmer kann dank seiner fortgeschrittenen Erfahrung sein Ego komplett unterordnen, sowohl im Verein als auch in der Nationalelf. Er erklärte: "Wenn mein Land mich braucht, bin ich da. Immer! Egal, ob ich 43 bin oder 33. Wenn sie einen brauchen, der sich in die Box stellt, dann komme ich auch." Auch die Faktoren Fan-Liebling und Identifikationsspieler sind keine unwichtigen. Füllkrug wurde bei der Heim-EM von allen Seiten geliebt - weil er eine Type ist, weil er witzig-selbstbewusst Interviewfragen beantwortet, weil er Lebenserfahrung mit Aufs und Abs mitbringt. Das könnte eine Stimmung vor der kommenden Europameisterschaft entfachen, die die DFB-Elf als Schwung ins Turnier mitnimmt.

Natürlich ist da dann das Thema Alter, weil Klopp die Nationalmannschaft verjüngen will - aber ist das überhaupt wirklich eines? Mit 33 Jahren ist Füllkrug ein Jahr jünger als Marc-Andre ter Stegen, der wieder der Stammtorhüter werden soll. Joshua Kimmich ist 31 und Kapitän und spielt auf einer weitaus laufintensiveren Position.

Das Argument zieht auch nicht, wenn man sieht, wie Lionel Messi mit 39 Jahren eine WM teilweise dominieren konnte und dass Harry Kane mit 33 Jahren gerade den Ballon d'Or gewonnen hat. Auch die Three Lions haben sich jüngst unter Thomas Tuchel neu geordnet, aber Kane auszusortieren, weil er vielleicht bei der WM 2030 vielleicht nicht mehr auf Topniveau spielen kann, fiel dem deutschen Trainer nicht ein.

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Brunner wartet auf Klopp: "Die Reaktion kommt von ihm"

Natürlich ist Füllkrug kein Kane und schon gar kein Messi. Aber in zwei Jahren kann er die Pille immer noch genauso in die Maschen köpfen und: Klopp kann ja sowohl den jungen Spielern eine Chance geben, als auch gleichzeitig die Möglichkeit Füllkrug wahrzunehmen. Die Youngsters könnten mitfahren, sich einspielen - und zusätzlich von Füllkrug, der sich bereits international in der DFB-Elf bewiesen hat mit seinen Treffern bei der Heim-EM 2024, lernen. Ein paar Tricks in Sachen Kaltschnäuzigkeit, Mentalität und Auftreten hat sich schon jeder 20-Jährige gerne mal bei den alten Hasen abgeschaut.

Selbst wenn Füllkrug für die WM 2030 zu alt wäre, auch die unmittelbare Zukunft ist wichtig: Etwa könnte der Mittelstürmer in seiner Topform die Nationalelf in die K.o.-Phase der Nations League schießen, die momentan auf der Kippe steht. Das wäre äußerst wichtig, damit die vielen jungen DFB-Kicker 2027 Alles-oder-nichts-Spiele auf höchstem internationalem Niveau zusammen durchmachen, bevor es zur Europameisterschaft 2028 geht. Spanien gewann 2023 die Nations League und holte 2024 den EM-Titel in Berlin.

Jürgen Klopp hat gesagt, er wolle alle interessanten Spieler kennenlernen. Wenn er sein Wort hält, muss er zumindest einmal auch Füllkrug einladen, um zu sehen, wie dieser in der Nationalelf funktioniert. In nächsten Länderspielfenster dürfte das passieren, weil der Bundestrainer eigentlich keine andere Wahl hat.

-David Bedürftig

Verwendete Quelle: ntv.de

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