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Es hätte einiges zu bereden gegeben nach Schalkes 0:1-Niederlage gegen Mainz 05. Zum ersten Mal, seit sich ein Unbekannter vor den Medien ans Pult setzte und sich als Miron Muslic vorstellte, verlor Königsblau wieder zwei Ligaspiele in Serie. Da zwischen diesen beiden Ereignissen ein Aufstieg lag, ist das alles noch kein Drama. Etwas ungeübt wirkten die Spieler aber schon, als sie sich nach Abpfiff der durchaus ernüchternden Niederlage mit bitterernsten Mienen vor der Nordkurve aufreihten. Sie hatten ja keine Ahnung, was der harte Kern der Schalker Fans ihnen diesmal zu sagen haben würde. Die Kurve atmete tief ein – und stimmte einen Schmähgesang gegen den 1. FC Köln an.
NRW-Sport 23.10.2026 2 Min. 14 Sek. Verfügbar bis 22.10.2028 WDR Online
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Stünde das Revierderby vor der Tür, wäre es quasi verpflichtender Teil der Folklore, an dieser Stelle schon einen Gruß aus der Kurve zu senden. Der nächste Gegner ist aber doch gar nicht der BVB? Nun, ein bisschen schon. Wenn der 1. FC Köln und Schalke 04 am Samstag (15.30 Uhr, live im Ticker und Audiostream) aufeinandertreffen, ist es zumindest ein Stellvertreter-Derby. Eine neue Freundschaft verleiht einer alten Rivalität nun zusätzliche Brisanz.
Oliver Held dürfte jüngeren Fans nicht mehr viel sagen. Das war 1998 noch etwas anders. Köln steckte tief im Abstiegskampf und benötigte kurz vor Saisonende entsprechend dringend Punkte. Kurz vor Schluss verhinderte der Schalker Rechtsverteidiger Held beim Stand von 0:0 ein mögliches Gegentor mit der Hand. Der Schiedsrichter hatte die Szene als einer der wenigen im Schalker Parkstadion nicht erkannt und befragte Held. Der beteuerte, den Ball mit dem Kopf gespielt zu haben. Noch kürzer vor Schluss traf Schalke zum 1:0-Sieg. Kölns Toni Polster wünschte Held nicht weniger, als dass er für den Rest seines Lebens kein Glück mehr haben soll. Held sprach deutlich später von einem der größten Fehler seines Lebens. Änderte alles nichts daran, dass Köln zwei Wochen später abstieg. Ein Sieg auf Schalke hätte zum Klassenerhalt gereicht.
Oliver Held jubelt für Schalke
Fanszenen haben sich schon aus geringeren Anlässen verfeindet. 1998 steckte die Ultra-Bewegung in Deutschland aber noch in den Kinderschuhen. Viele der heute aktiven Fans kennen die Anekdote nur noch vom Hörensagen. Zumindest war damit aber die Saat dafür gesät, dass sich beide Klubs nicht mehr versehentlich anfreundeten.
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Richtig entflammt ist die wechselseitige Abneigung aber erst, als Borussia Dortmund ins Spiel kam. Die Rivalität zwischen Schwarz-Gelb und Königsblau muss man im Ruhrgebiet niemandem erklären. Daher war es um die Beziehung zwischen Schalke und dem 1. FC Köln eigentlich schon geschehen, als sich der Legende nach auf Mallorca Mitglieder der Ultra-Gruppen "Boyz" aus Köln und "Desperados" aus Dortmund kennen und mögen lernten. Spätestens als der FC Borussia Dortmund mit einem Sieg gegen Leverkusen 2011 vorzeitig zum Meister machte, schwappte die Freundschaft dann auf weitere Teile beider Fanlager über.
BVB-Fans mit dem Banner "Geißbockheim als Heimat des 1. FC Köln erhalten"
Der Ex-BVB-Profi Kevin Großkreutz, an dessen emotionaler Bindung zu Borussia Dortmund wenig Zweifel bestehen, bekannte sogar freimütig: "Ich bin Fan des 1. FC Köln." Beides lässt sich problemlos miteinander kombinieren.
24.10.2026 Verfügbar bis 24.10.2026
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Es geht aber ja um Rivalität, daher ist das nur teilweise die Geschichte einer Freundschaft. Mit Argwohn hat der Schalker Anhang beobachtet, was sich zwischen den beiden Klubs entwickelte. 2014 verwechselten es die beiden Klubs dennoch mit einer guten Idee, ein Testspiel zu vereinbaren. Schlagzeilen machte die Begegnung, weil sich auf dem Kölner Rudolfplatz rund 300 Hooligans zu einer hemmungslosen Schlägerei trafen. Ein szenebekannter Schalker wurde lebensgefährlich verletzt.
Derartige Verabredungen sind zwar üblich, werden aber vorzugsweise unbeobachtet in der freien Natur ausgetragen. Überraschend war darum nicht nur der Ort der Auseinandersetzung auf einem vollständig videoüberwachten Platz in der Kölner Innenstadt. Der Großteil der festgenommenen Personen wurde später als Dortmunder Hooligans identifiziert, wie aus einem Bericht des damaligen Innenministers hervorging. Beide agierten also auch in dieser Disziplin Hand in Hand gegen einen gemeinsamen Gegner.
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Es blieb aber nicht bei der Allianz zwischen FC und BVB. Auch Drittligist Rot-Weiss Essen, der seinerseits den Nachbarn aus Gelsenkirchen als Erzrivalen versteht, pflegt allein aus gemeinsamer Abneigung ein kollegiales Verhältnis zur Borussia. 2023 überraschten RWE- und BVB-Fans eine Gruppe Schalker Fans vor der Abfahrt zu einer Auswärtsreise. Auch Kölner Anhänger sollen sich an dem gewalttätigen Überfall beteiligt haben, bei dem mehrere Personen schwer verletzt wurden.
Nur eine besonders heftige von vielen wechselseitigen verbalen und auch körperlichen Attacken. Schalke warnte die eigenen Fans darum bereits vor dem Zweitliga-Spiel 2022 vor einigen No-Go-Areas in der Domstadt und betonte: "Aufgrund der bestehenden Rivalität sollten Schalker generell vorsichtig sein, offen mit S04-Kleidung durch Köln zu ziehen."
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Die Schalker Nordkurve
Die jüngste Entwicklung in diesem Viel-Parteien-Konflikt wirkt wie ein strategisches Bündnis, um der rot-weiß-schwarz-gelben Koalition etwas entgegenzusetzen. "Wir sind stolz, unsere Freunde an unserer Seite zu wissen", erklärten die Ultras GE erst vor wenigen Wochen im "Blauen Brief", dem offiziellen Organ der Gruppe. Adressiert war der Gruß an "Sottocultura", der wichtigsten Ultra-Gruppierung von Borussia Mönchengladbach. Schon seit Anfang der 2000er habe es Verbindungen gegeben, man habe aber "nichts überstürzen wollen", hieß es in der Verlautbarung.
Damit sind die Fronten geklärt. Während Köln mit Schalkes Erzrivalen paktiert, bildet Dortmunds Lieblingsfeind ein Bündnis mit den von Köln leidenschaftlich verachteten Gladbachern.
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Ganz schön kompliziert, aber am Ende doch nur ein Konflikt mit zwei Seiten. Als Großkreutz zuletzt im Podcast "Viertelstunde Fußball" auf das Bündnis zwischen Schalke und Gladbach angesprochen wurde, jubilierte er regelrecht: "Jetzt haben wir zwei Derbys!"
Das gilt, wie fast alles in dieser Angelegenheit, für beide Seiten. Die Botschaft der Schalker Anhänger an die Profis nach dem Mainz-Spiel unterstreicht den neuen Stellenwert, den die Begegnung mit dem 1. FC Köln zumindest für die Ultras erreicht hat: Ein Sieg am Wochenende wäre für sie doppelt wertvoll – fürs Prestige und den Abstiegskampf. Das geht Mönchengladbach übrigens ganz genauso.
Unsere Quellen:
Sendung: WDR.de, Schalke und Köln: Eine Rivalität mit Revierderby-Faktor, 23.10.2026, 14:33 Uhr