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Für gewöhnlich läuft das öffentliche Training beim Fußball-Zweitligisten FC Energie Cottbus, das ein Mal pro Woche stattfindet, immer nach einem Muster ab: Hier ein Späßchen, da ein Spruch und nach 20 Minuten startet Trainer Claus-Dieter Wollitz in die Interviewrunde mit den Medien.
An diesem Mittwoch ist aber alles ein wenig anders. Angefangen mit einer gewissen Spannung, die auf dem Trainingsplatz in der Parzellenstraße zu spüren ist. Es gibt diesmal keine einleitenden, lockeren Worte von einem Spieler, sondern diesmal von Wollitz selbst. Und auch, wenn die Zaungäste kaum hören können, worüber der 61-Jährige redet, ist doch an den Gesichtern der Spieler abzulesen, es sind ernste Worte, die da fallen: "Es gab am Dienstag im Training unterschiedliche Auffassungen untereinander. Das habe ich heute noch mal aufgegriffen."
Was genau am Dienstag vorgefallen war, ließ Wollitz offen. Allein, dass er es noch einmal thematisierte, zeigt, dass es nach der 1:2-Niederlage am vergangenen Freitag gegen Bochum im Team brodelte. Eine weitere Aussage aus der Pressekonferenz am Mittwoch lässt zudem hellhörig werden.
"Um erfolgreich zu sein, muss man gut organisiert gegen Ball arbeiten. Gemeinsam gegen den Ball verteidigen." Gegen Bochum haben nach Auffassung des Trainers "nicht alle gegen den Ball in der eigenen Hälfte gespielt". Wer diese Spieler sind? Auch das ließ Wollitz offen. Das Training wurde in dieser Woche intensiviert und der schon häufig freie Montag gestrichen.
Und es kommen noch einige gestrichene Tage dazu. Denn auch in der Länderspielpause wird beim FC Energie normal trainiert: "Ich möchte niemandem etwas wegnehmen. Aber ich möchte, dass jeder weiß: Es ist nicht selbstverständlich, zum Beispiel drei Tage freizubekommen."
Und Wollitz geht in seiner kritischen Auseinandersetzung noch weiter: "Ich gebe meinen Spielern viele Freiheiten, damit sie zum Beispiel zu ihren Familien fahren können. Aber ich stelle fest, dass einige damit nicht gut umgehen. Wenn das Ich vor dem Wir steht, dann bin ich jemand, der gnadenlos werden kann."
Was das alles für das Auswärtsspiel in Braunschweig am Freitagabend (18:30 Uhr) zu bedeuten hat, wird sich erst bei der Aufstellung zeigen. Überraschungen sind aber nicht auszuschließen. Und möglicherweise findet sich der ein oder andere Stammspieler beim Kellerduell zunächst auf der Bank wieder.
"Aufgrund der letzten Ergebnisse ist für beide Mannschaften viel Druck auf dem Kessel", beschreibt Wollitz die Ausgangslage. Braunschweig hat zehn Punkte und ist Fünfzehnter. Die Lausitzer liegen auf Rang 14 und haben ebenfalls zehn Zähler. "Wenn wir erfolgreich sein wollen, dann müssen wir wieder auf unseren Weg kommen. Und das geht nur über Intensität und eine gute Arbeit gegen den Ball", so Wollitz.
Der Sieger aus diesem Duell kann etwas entspannter in die Länderspielpause gehen. Für den Verlierer heißt es dann "Abstiegskampf pur". Allerdings ist die Ausgangslage noch längst nicht so dramatisch wie beim letzten Pflichtspiel der beiden Mannschaften. Am 18. Mai 2019, damals der letzte Spieltag der dritten Liga, trennten sich beide Teams 1:1. Cottbus fehlte deshalb ein Tor zum Klassenerhalt und musste in die Regionalliga. Braunschweig rettete sich so und stieg im Jahr darauf auf.
Jetzt treffen sich beide Teams in der 2. Bundesliga wieder. "Da sieht man, was aus solchen Situationen alles entstehen kann, wenn man danach die richtigen Entscheidungen trifft", so Claus-Dieter Wollitz, der damals wie heute Trainer des FC Energie ist.