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Aufgepasst, Jürgen Klopp! Dieser VfB-Star muss zurück ins DFB-Team – und dieser nicht

Beim 1:1 gegen Atletico Madrid zeigte der VfB Stuttgart eine bärenstarke Leistung. Allerdings mit einem "Riesenmanko". Welcher VfB-Star zurück ins DFB-Team gehört – und wer aktuell (noch) nicht.

Angelo Stiller wurde von Morten Hjulmand übel gefoult | Eurasia Sport Images/GettyImages

Es ist schon kurios: Der VfB Stuttgart hat nach drei Champions-League-Spieltagen mehr Punkte auf dem Konto (7) als nach sechs Partien in der Bundesliga (6).

Im Heimspiel gegen Atletico Madrid stand für die Schwaben am Dienstagabend der erste große Härtetest in der Königsklasse an. Und die Hoeneß-Truppe meisterte diesen mit Bravour! Am Ende trübte lediglich das Ergebnis die starke VfB-Leistung. Nach dem Schlusspfiff waren sich jedenfalls alle einig: Das 1:1-Remis, das vor dem Spiel wohl die meisten unterschrieben hätten, war zu wenig.

  1. VfB fehlt – mal wieder – die Effektivität
  2. VfB Stuttgart 1-1 Atletico Madrid: Die Highlights im Video
  3. Dieser Stiller muss zu Klopp – Und dieser Undav nicht!
  4. Undav ist aktuell keine Hilfe
  5. Die Stimmen zum Spiel: "Können stolz auf die Leistung sein"

VfB fehlt – mal wieder – die Effektivität

Die Stuttgarter legten von Beginn an furios los und drückten Atleti mit viel Ballsicherheit und starkem Gegenpressing in die eigene Hälfte. Nach zahlreichen Torchancen dauerte es aber bis zur 36. Minute, ehe Jamie Leweling die erlösende 1:0-Führung erzielen konnte.

"Ich glaube, wir waren klar besser, hatten viele Chancen. Und das ist etwas, was uns gerade verfolgt, dass wir aus den Chancen, die wir haben, fast gar nichts machen. [...] Das ist gerade ein Riesenmanko."

Deniz Undav (Amazon Prime)

Die gab der VfB direkt nach dem Seitenwechsel wieder her. Atleti-Joker Ademola Lookman legte stark auf Star-Stürmer Julian Alvarez auf, der die Kugel technisch versiert in den VfB-Maschen versenkte. Überspitzt formuliert war es die einzige wirklich gute Offensiv-Aktion der Gäste im ganzen Spiel.

Nach gut einer Stunde geriet der La-Liga-Zweite dann in Unterzahl. Morten Hjulmand sah nach einem groben Foul an Angelo Stiller zurecht glatt Rot. Im Anschluss spielte der VfB auf Sieg, verpasste den greifbaren Dreier aber. Vor allem, weil einige gute Gelegenheiten verpasst wurden. Die Beste hatte wohl Abwehrchef Jeff Chabot, der nach einer von zahlreichen guten Ecken von Chris Führich völlig frei knapp am Tor vorbeiköpfte.

VfB Stuttgart 1-1 Atletico Madrid: Die Highlights im Video

Dieser Stiller muss zu Klopp – Und dieser Undav nicht!

"Wir sind standhaft geblieben, haben eine Reaktion gezeigt, darauf können wir aufbauen. Wir haben gezeigt, dass wir es können, auch gegen die ganz starken Gegner", erklärte VfB-Kapitän Deniz Undav nach dem Spiel bei Amazon Prime.

Gezeigt hatte, dass er es kann, vor allem Angelo Stiller. Der 25-jährige Mittelfeldstratege war der beste Spieler auf dem Platz und dominierte die Partie mit 98 Ballkontakten. Stiller war einmal mehr der Fixpunkt des VfB-Spiels – kaum ein Angriff lief nicht über den neunfachen Nationalspieler.

"Er ist ein großartiger Spieler. [...] Seine Positionierung auf dem Feld ist unglaublich."

Yaya Touré über Stiller

Stiller zeigte sich auch gegen den Ball sehr aktiv und führte insgesamt 32 Zweikämpfe, von denen er 55 Prozent am Boden und 58 Prozent in der Luft gewann. Ordentliche Zahlen, in einer Disziplin, die dem Linksfuß häufig als Schwäche ausgelegt wird.

Nach diesem einmal mehr starken Auftritt muss man einfach zum Schluss kommen: Dieser Stiller gehört in die deutsche Nationalmannschaft. Das würde wohl auch der ehemalige Mittelfeld-Star Yaya Touré unterschreiben, der vergangene Woche nach dem VfB-Sieg in Bratislava von Stiller geschwärmt hatte.

"Er ist ein großartiger Spieler. Unter Druck hat er keine Panik und spielt den Ball trotzdem. Seine Positionierung auf dem Feld ist unglaublich. Er riecht die Gefahr, steht immer richtig", lobte der Bratislava-Coach, der einst selbst zu den besten Mittelfeld-Akteuren der Welt zählte.

Jürgen Klopp hatte bei seinem Debüt als Bundestrainer noch auf Stillers Qualitäten verzichtet. Schon unter Vorgänger Julian Nagelsmann war der VfB-Star alles andere als unumstritten. Das dürfte natürlich auch an der großen Konkurrenz auf seiner Position liegen. Dennoch darf Klopp Stiller in Zukunft auf Stiller in dieser Form nicht mehr verzichten – zumindest als mögliche Option auf der Bank.

Undav ist aktuell keine Hilfe

Ein anderer VfB-Star sollte – Stand jetzt – auch im November nicht nominiert werden. Die Rede ist von Deniz Undav. Der Stuttgarter Angreifer fehlte überraschend im ersten Klopp-Aufgebot. Das lag an körperlichen Problemen und schlechter Form zum Saisonauftakt.

Behoben hat Undav beide Punkte offensichtlich noch längst nicht, auch wenn er mittlerweile immerhin in der Champions League in Bratislava sein erstes Saisontor erzielen konnte. Gegen Atleti fiel Undav aber als alleiniger Mittelstürmer deutlich ab.

Undav konnte sich nicht durchsetzen | THOMAS KIENZLE/GettyImages

In 86 Einsatzminuten brachte der 30-Jährige keinen einzigen Torschuss zustande. Dazu hatte er lediglich 25 Ballkontakte und gewann keinen einzigen (!) seiner zwölf Zweikämpfe. Im Gespräch bei Amazon Prime wurde zwar richtig angemerkt, dass Undav vier Torschüsse für die Kollegen auflegte, das Urteil über die schwache Leistung des Stürmers ändert das aber kaum.

Undav selbst meinte selbstbewusst, er habe immerhin Chancen für seine Mitspieler kreieren können. Und "irgendwann kriege ich wieder Chancen und dann muss ich die einfach mal machen". Zur Wahrheit gehört aber auch, dass er selbst bei den Zuspielen auf die Mitspieler immer wieder ungenau war. Die wichtigste Undav-Szene entstand im ersten Durchgang, als Stiller im Atleti-Sechzehner mit Undav einen Doppelpass spielen wollte. Die Ablage des VfB-Kapitäns geriet aber zu lang – statt riesiger Torchance resultierte die Szene in einem Undav-Foul und Freistoß für die Rojiblancos.

Man muss über Undav in der aktuellen Form leider knallhart festhalten: Er zeigt wenig Torgefahr, kann seine Mitspieler nicht wie gewohnt einsetzen und scheint auch körperlich weiter in keiner guten Verfassung zu sein. Ein Sprintertyp war Undav natürlich nie. Aktuell geht ihm aber jegliche Dynamik flöten. Und das kann selbst der 30-Jährige mit all seinen Qualitäten auf diesem Niveau einfach nicht mehr kompensieren.

Immerhin darf man die klare Hoffnung haben, dass sich Undav im Laufe der Saison wieder deutlich steigern kann. Dann ist er auch zwangsläufig wieder ein heißes Thema fürs DFB-Team.

Die Stimmen zum Spiel: "Können stolz auf die Leistung sein"

VfB-Trainer Sebastian Hoeneß: "Wir können stolz auf die Leistung sein – und dennoch sind wir im Moment auch ein wenig enttäuscht, weil ein Tick mehr drin gewesen wäre. Die erste Hälfte war top: Wir laufen Atletico früh an, erobern Bälle, kreieren Chancen, lassen wenig zu. Es ging sehr viel auf von unserem Plan. Die Führung war vollkommen verdient, sie hätte sogar etwas höher ausfallen können. Nach Wiederanpfiff war das Spiel nach 90 Sekunden wieder ausgeglichen – in der Situation rund um das Gegentor sahen wir nicht gut aus. Das war ein harter Moment, aber die Mannschaft hat eine sehr gute Reaktion gezeigt und mit der richtigen Haltung weitergemacht. Letztlich hat gegen eine europäische Top-Mannschaft nur der Siegtreffer gefehlt – das zeigt, wie gut unsere Leistung war."

Atleti-Coach Diego Simeone: "Wir kamen nicht so gut ins Spiel herein, mussten zunächst viel reagieren. Meine Mannschaft hat über den Kampf in die Partie gefunden, hat den Ausgleich gegen eine starke Stuttgarter Mannschaft erzielt. In der zweiten Hälfte waren wir 30 Minuten in Unterzahl und haben wenig zugelassen – die letzten 30 Minuten waren ein Kraftakt. Respekt an meine Mannschaft für diese Willensleistung."

Torschütze Jamie Leweling: "Es fühlt sich ein bisschen komisch an: Vor dem Spiel hätten wir ein Remis womöglich unterschrieben, in den Minuten nach Abpfiff bin ich der Meinung, dass mehr drin gewesen wäre. Wir spielen eine richtig gute erste Hälfte, haben viele Chancen und lassen nahezu nichts zu. Beim Tor funktioniert unser Gegenpressing hervorragend, das war eine klasse Balleroberung über Bilal und Ange – es ist ein Treffer, wie ihn sich der Trainer wahrscheinlich gewünscht hat. Die Unterstützung der Fans war enorm: Choreographie, Gesänge, die Lautstärke – wir haben alles mitbekommen, das war phänomenal."

Grischa Prömel: "Wir sind super in die Partie hereingekommen, haben aggressiv gegen jeden Mann gespielt und von Beginn an Chancen kreiert. Nach dem Gegentor waren wir füreinander da und sind stabil geblieben. Es tut ein wenig weh, dass wir unsere starke Leistung nicht mit drei Punkten veredeln konnten, aber wir können viel Positives mitnehmen und haben viel von dem umgesetzt, was der Trainer sehen möchte."

Dennis Seimen: "Es war ein Tick mehr drin – vor allem aufgrund der ersten Hälfte, die ganz klar an uns ging. In der zweiten Hälfte hat es Atletico – auch in Unterzahl – mit all seiner Klasse abgezockt gemacht. Ich freue mich über mein Debüt in der Champions League. Atletico ist ein toller Gegner für solch eine Premiere, aber noch schöner finde ich, dass ich diesen Moment zu Hause in unserem Stadion vor dieser grandiosen Stimmung erleben durfte."

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