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Gritsch verhindert ÖSV-Totalausfall

Franziska Gritsch hat den Österreichischen Skiverband (ÖSV) vor einem Debakel zum Saisonauftakt in Sölden bewahrt. Die Tirolerin belegte am Samstag im Riesentorlauf auf dem Rettenbachferner den neunten Platz und war damit die einzige Österreicherin, die es in die Punkteränge schaffte. Vorjahressiegerin Julia Scheib schied nach einem Sturz im ersten Durchgang aus. Ihr Ausfall verdeutlichte einmal mehr, wie groß die Lücke hinter der RTL-Kugelgewinnerin im österreichischen Team ist.

Bis zum nächsten Riesentorlauf am 28. November in Killington wartet jedenfalls noch viel Arbeit auf das ÖSV-Team. Denn der einzige Lichtblick in Sölden war Gritsch. Die weiter als Solistin trainierende Tirolerin verbesserte sich im zweiten Durchgang vom 15. auf den neunten Platz und rettet vor 14.600 Zuschauerinnen und Zuschauern die rot-weiß-rote Ehre.

„Es ist ein Zeichen, dass es in die richtige Richtung geht. Ich habe brav gearbeitet im Sommer. Jetzt möchte ich mich step by step wieder nach vorne arbeiten“, sagte Lokalmatadorin Gritsch, die in der vergangenen Saison einen 18. Rang als bestes RTL-Ergebnis eingefahren war, im ORF-Interview.

Gritsch wird beste Österreicherin

Franziska Gritsch schaffte es in Sölden als einzige ÖSV-Läuferin in den zweiten Durchgang und rettete als Neunte die Ehre der rot-weiß-roten Läuferinnen.

Gritsch: „Bedeutet mir sehr viel“

So gut klassiert war Gritsch zuletzt als Neunte am 8. März 2024 in Aare. „Das ist schon sehr cool. Mich freut es sehr, dass ich das daheim erleben und vor meiner Familie und meinen Freunden zeigen kann. Sie sind auch in den letzten zwei Jahren zu mir gestanden, als es echt hart war. Das bedeutet mir sehr viel“, meinte die 29-Jährige. Sie habe nicht nur Material gewechselt, sondern sich auch selbst hinterfragt und Schlüsse daraus gezogen, wo sie sich verbessern und was sie ändern müsse. „Ich fühle mich wieder freier beim Skifahren und habe wieder Spaß.“

Ihre Liebesbeziehung zu Trainer Florian Stengg führte im Dezember 2023 dazu, dass sie die Herausforderung Privatteam angenommen hat. Das Resultat aus Sölden gibt ihr Selbstvertrauen und Planungssicherheit, denn ihren Startplatz bekommt sie vom ÖSV nur, wenn die Ergebnisse stimmen.

Julia Scheib nach Ausfall
Scheib konnte nach ihrem Sturz selbstständig ins Ziel fahren und gab kurz danach Entwarnung

Gritsch war die einzige heimische Läuferin, die in Sölden zufrieden bilanzieren konnte. Die anderen Österreicherinnen waren im Finale allesamt nur Zuschauerinnen. Stephanie Brunner blieb als 38. klar hinter den Erwartungen zurück, Ricarda Haaser wurde bei ihrem Comeback nach einer Knieverletzung 40., Victoria Olivier (49.), Elena Riederer (55.), Valentina Rings-Wanner (57.), Leonie Raich (60.) und Natalie Falch (61.) verpassten ebenso das Finale klar.

Zöchling bilanziert „relativ nüchtern“

„Gratulation an die Franzi“, sagte Johannes Zöchling, neuer Cheftrainer der Frauen. Seine Bilanz fällt allerdings „relativ nüchtern“ aus. „Wir haben heute überhaupt nicht die Leistung gebracht, die wir uns erhofft haben, die wir bringen wollten. Der Sturz von der Julia, so etwas kann passieren, sie wäre schnell gewesen. Leider hat die Steffi (Brunner, Anm.) nicht die Leistung bringen können, die sie im Training gezeigt hat. Daran muss sie arbeiten“, meinte Zöchling.

Zöchling: „Bilanz ist relativ nüchtern“

ÖSV Damen-Cheftrainer Johannes Zöchling zog im ORF-Interview eine relativ nüchterne Bilanz.

Von den jungen Athletinnen habe man nicht erwarten können, dass sie vorne mitfahren. „Da haben wir gewusst, dass noch einige Schritte zu tun sind. Für sie war es das Ziel für das Rennen, dass sie sehen, wo sie stehen und wo sie weiterarbeiten müssen“, so der Neo-Cheftrainer. Haaser sei bei ihrem Comeback engagiert gefahren, mit Startnummer 65 sei es natürlich nicht einfach gewesen. „Grundsätzlich muss ich sagen: Was mir gefallen hat: Sie hat sich runter gehaut und hat es probiert. Sie ist auf dem Weg retour, das ist gut.“

Speed von Scheib stimmt

Besonders bitter endete das Rennen für Scheib. Die Gewinnerin des RTL-Weltcups und Titelverteidigerin in Sölden wurde im ersten Durchgang nach klarer Zwischenbestzeit im Steilhang spektakulär abgeworfen. Scheib überschlug sich in einem hohen Bogen und landete hart auf der Piste. Nach der ersten Einschätzung habe sie sich dabei aber nicht gröber verletzt. „Das Allerwichtigste ist, dass vom Knie her alles passt. Es hat gut ausgeschaut, aber es zeigt, dass der Skisport ein schmaler Grat ist. Schade“, meinte die Steirerin, deren Karriere wegen zwei Kreuzbandrissen bereits mehrfach unterbrochen war.

Scheib stürzt nach Bestzeit

Julia Scheib kam im ersten Durchgang nach klarer Zwischenbestzeit schwer zu Sturz, blieb ersten Untersuchungen zufolge aber weitgehend unverletzt.

Zöchling versuchte, dem Ausfall von Scheib dennoch etwas Positives abzugewinnen. „Sie kann zumindestens mitnehmen, dass der Speed passt. Das hat sie auch davor gewusst, jetzt hat sie es bestätigt bekommen, da kann sie weitermachen.“ Auch Scheib versuchte, trotz des Sturzes optimistisch zu bleiben. „Ich habe mich richtig gut gefühlt, ich habe einen guten Flow gehabt. Ich habe bei einem Tor zu viel Risiko genommen, dann war es sehr schnell vorbei. Ich war zu knapp dran und bin mit Schützer oder Hand hängengeblieben“, meinte die 28-Jährige.

Die Topzeit beim Moment des Ausfalls auf dem Rettenbachferner nimmt sie mit in die lange Rennpause. „Es ist besser, wie wenn ich jetzt hinten gewesen wäre. Schade, dass das nächste Rennen noch ein bissl dauert. Ich habe eine gute Ruhe gehabt, was es dann schon auch braucht. Das will ich mitnehmen.“ Nach einer intensiven Zeit in der Vorbereitung wird sie sich nun vorerst dem Super-G-Training widmen. Ihr nächstes Rennen ist der RTL Ende November in Killington.

Moltzan feiert größten Karriereerfolg

Den Sieg zum Saisonauftakt holte sich Paula Moltzan. Die 32-jährige US-Amerikanerin jubelte über ihren Premierenerfolg. Moltzan war davor schon zehnmal auf dem Stockerl gestanden, aber noch nie ganz oben. Diesmal hatte sie mit dem knappsten Vorsprung von einer Hundertstel vor der Albanerin Lara Colturi auch das Glück auf ihrer Seite. Dritte wurde die Deutsche Emma Aicher.

„Es hat sich unfassbar lange angefühlt, bis ich es endlich geschafft habe (den ersten Sieg, Anm.). Ich bin sehr glücklich und stolz. Ich glaube, man muss einfach immer groß träumen, dann kann man ihn auch Realität werden lassen. Ich habe den ganzen Sommer hart dafür gearbeitet. Jetzt hat es geklappt“, sagte Moltzan nach ihrem 149. Einzel-Rennen. Sie löste zudem mit 32 Jahren und sechs Monate Anna Swenn Larsson als älteste Premierensiegerin ab. Die Schwedin war in Killington 2022 31 Jahre und fünf Monate alt gewesen.

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