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Sion will in die neue Champions League – eine fatale Halbzeit lässt alle Träume platzen
Ex-FC Luzern-Trainer Jean-Paul Brigger (Archivbild 95) soll sich sein Trainer-Diplom erschwindelt haben. Der vom FCL vor einem Monat entlassene Walliser soll seine Trainerdiplom-Arbeit "Der Spitz ...
1992 übernimmt Jean-Paul Brigger beim FC Sion. Ein Jahr zuvor war er als Aktiver noch Schweizer Fussballer des Jahres.Bild: keystone

4. November 1992: Zwei Wochen nach dem 2:2-Remis zuhause muss der FC Sion in der CL-Quali erneut gegen Porto ran. Die Walliser brauchen einen Sieg oder ein Remis mit mindestens drei Toren, um den portugiesischen Favoriten auszuschalten. Eine Halbzeit lang sieht's gut aus, dann gibt's doch eine Klatsche.

Als Schweizer Meister darf der FC Sion im Herbst 1992 den Versuch starten, sich für die neu gegründete Champions League zu qualifizieren. Erstmals wird in dieser Saison statt dem ursprünglichen Cup der Landesmeister ein Wettbewerb mit einer Gruppenphase durchgeführt. Die Rekordanzahl von 36 Vereinen – damals noch alles Meister (!) – nimmt beim wichtigsten europäischen Klubwettbewerb teil.

Der Praesident des FC Sion, Andre Luissier, Mitte, unten, und die Spieler feiern am 23. Mai 1992 in Genf, Schweiz, nach dem Spiel gegen Servette den Gewinn der Schweizermeisterschaft. (KEYSTONE/Str)
Sion wird 1992 zum ersten Mal Schweizer Meister.Bild: KEYSTONE

Um in die Gruppenphase zu kommen, muss der Schweizer Vertreter zuerst zwei K.o.-Runden überstehen. In der ersten Runde wird mit dem ukrainischen Vertreter Tawrija Simferopol mit dem Gesamtskore von 7:2 kurzen Prozess gemacht.

Im Hinspiel ein Remis ...

Danach wartet mit dem renommierten FC Porto ein wesentlich grösserer Brocken auf die Walliser. Am 21. Oktober trifft das Team von Trainer Jean-Paul Brigger im Tourbillion auf den Favoriten. Nach einer torlosen ersten Halbzeit bezwingen die Sittener David Orlando (54.) und Roberto Assis (59.) Porto-Goalie Vitor Baia gleich zweimal innert fünf Minuten und gehen 2:0 in Führung.

Doch den Gästen gelingt kurz vor Spielende ein noch schnellerer Doppelschlag: Jose Semedo (78.) und Fernando Couto (81.) markieren für den FC Porto den verdienten 2:2-Ausgleich.

Zwei Wochen nach dem Remis müssen die Walliser im Rückspiel erneut gegen Porto ran. Am 4. November sind im Antas-Stadion 40'000 Zuschauer anwesend, was für den portugiesischen Grossklub eher ein spärlicher Aufmarsch ist. Die Fans des FC Porto warten vielmehr auf die Begegnung vom kommenden Sonntag, wenn der Erzrivale Benfica Lissabon zu Besuch sein wird.

Das Estadio dos Antas wurde 2004 abgerissen, es fasste 51'211 Zuschauer.
Das Estadio dos Antas wurde 2004 abgerissen, es fasste 51'211 Zuschauer.bild: tumblr

Sion braucht also im Rückspiel einen Sieg oder ein Remis mit mindestens drei Toren, um den Favoriten auszuschalten. Eine Halbzeit lang hält der FC Sion zumindest resultatmässig gut mit und geht mit einem 0:0 in die Pause.

Das Telegramm:

FC Porto – FC Sion 4:0 (0:0)
Estadio das Antas. - 35'000 Zuschauer. SR: Hill (England).
Tore: 50. Costa 1:0. 63. Kostadinov 2:0. 85. Paciencia 3:0. 87. Magalhaes 4:0
Porto: Baia: Pinto, Bandeirinha, Costa, Aloisio; Magalhaes, Carlos, Semedo (76. Couto), Filipe; Paciencia, Kostadinov (73. André).
Sion: Lehmann; Quentin (73. Biaggi), Sauthier, Herr, Geiger, Hottiger; Piffaretti, Gertschen (62. Tulio), Orlando; Assis, Carlos.

... im Rückspiel eine Klatsche

In der zweiten Halbzeit brechen bei den Wallisern jedoch alle Dämme, als die Portugiesen den ersten Treffer durch Jorge Costa (54.) markieren können. Domingos (55.), Kostadinov (63.) und Magalhaes (87.) stellen den verdienten 4:0-Erfolg sicher. Die NZZ schreibt nach dem Spiel im Matchbericht vernichtend: «Ein Torhüter, dessen Autorität kaum für den Fünfmeterraum reicht; ein Libero, der die Mittellinie nur auf dem Weg in die Kabine überquert, Mittelfeldspieler ohne Selbstvertrauen, Stürmer ohne Eigendynamik ...»

Einzig Roberto Assis, der ältere Bruder von Ronaldinho, genügt dem internationalen Niveau. Als Alleinunterhalter in der Sittener Offensive kann der Brasilianer die klare Niederlage aber nicht verhindern. Der FC Porto, der nie an seine Leistungsgrenze gehen muss, ist die erwartet zu hohe Hürde für den Schweizer Meister.

Portrait vom Brasilianer Roberto de Assis, der um neun Jahre aeltere Bruder und jetziger Manager von Ronaldinho, posiert im Dress des FC Sion fuer die Fotografen, aufgenommen im Juli 1993 in Sitten. ( ...
Roberto Assis: Einer der besten Techniker, die je auf Schweizer Boden Fussball gespielt haben.Bild: KEYSTONE

Mit dem Out verpassen es die Walliser, in der Gruppenphase gegen die grosse AC Milan spielen zu können. Der spätere Finalist darf sich zu dieser Zeit mit namhaften Spielern wie Franco Baresi, Paolo Maldini, Frank Rijkaard oder Marco van Basten schmücken.

Immerhin ein Trostpflaster gibt es für Sion-Spieler Tulio, der gegen Porto insgesamt 117 Minuten auf dem Platz steht. Der Stürmer belegt am Schluss in der Torschützenliste mit 4 Treffern den 6. Platz. Die hat der Brasilianer jedoch nicht gegen Porto geschossen, sondern in der Runde zuvor gegen Tawrija Simferopol.

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