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Die Eintracht steht nach dem Sieg beim HSV im Pokal-Achtelfinale. Trainer Adi Hütter hofft auf eine beflügelnde Wirkung. Es gibt positive Tendenzen. Noch aber ist der Aufwind nicht allzu stark.
Manchmal kann Fußball so einfach sein, man muss ihn nur können. Im Idealfall besser als die anderen. Einfach mal Jonathan Burkardt fragen. Der Stürmer von Eintracht Frankfurt zeigte wahrlich kein überragendes Spiel im Hamburger Volkspark, lange tauchte er geradezu ab. Seine Aktionen in den entscheidenden Momenten des 3:1-Siegs beim HSV aber hatten jene Qualität, die die allermeisten anderen Profis an diesem Abend vermissen ließen - und machten Burkardt zum Mann des Spiels. Überlegte Kopfballvorlage vorm 1:0, starke Ballannahme vorm eigenen 2:0. Zack, zack. Spiel entschieden, Arbeit getan. Und das wahrhaftig.
Direkt nach Burkardts Treffer holte Eintracht-Trainer Adi Hütter den Nationalspieler ebenso wie Assistgeber Mario Götze vom Feld. Verdutzt schauten sie erst drein, die beiden Spielentscheider, lächelten sich dann aber einen weg. Sie ahnten: Da geht nichts mehr schief. Spätestens nachdem der gerade eingewechselte Younes Ebnoutalib in eiskalter Torjäger-Manier den dritten Frankfurter Treffer beisteuerte, war die Partie entschieden. Die Eintracht ist damit einen Schritt näher an Berlin, Anfang Dezember steht die dritte Runde an. "Ein extrem wichtiger Sieg", so Kapitän Robin Koch am ARD-Mikro, während Coach Hütter auf beflügelnde Wirkung setzt: "Das gibt uns hoffentlich Auftrieb."
Zur Einordnung: Das Frankfurter Weiterkommen gegen einen ersatzgeschwächten HSV war verdient wie glücklich. Verdient deshalb, weil sich die Eintracht nach einer schwachen ersten Hälfte steigerte und in den zweiten 45 Minuten das reifere Team stellte. Der Auftritt nach dem Seitenwechsel habe ihm "imponiert", so Hütter. Mehr Ballbesitz, höhere Ballgewinne, gekonnte Abschlüsse. Und dennoch auch glücklich, weil die Gäste bei zwei Schiedsrichter-Entscheidungen auf das Wohlwollen von Tobias Stieler bauen konnten. "Wir waren sicher in der einen oder anderen Schlüsselszene glücklich", gab auch Hütter zu.
So hätten sich die Frankfurter nicht beschweren dürfen, wäre dem HSV vor der Pause ein Strafstoß zugesprochen worden. Der ansonsten überzeugende Koch, dem später die Führung gelang, brachte Hamburgs Zakaria El Ouahdi zu Fall. Stieler verzichtete auf einen Pfiff zum verständlichen Ärger des HSV.
Kurz nach dem Seitenwechsel hätte zudem Nnamdi Collins nach wiederholtem Foulspiel mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen werden können. Als der Mann an der Pfeife erneut auf eine Strafe verzichtete, erlöste Hütter seinen Rechtsverteidiger sofort mit einer Auswechslung. Man wollte anmerken: endlich! Collins zeigte – wie zuletzt häufiger – eine schwache Leistung.
Überhaupt zeigten einige Profis aus dem Hessischen wechselhafte Leistungen. Verteidiger Jeremiaha Maluze wackelte hier und da, um dann wieder starke Rettungen ins Grün zu grätschen. Torwart Noah Atubolu parierte meist gut, verschuldete aber das späte Gegentor. Sechser Raphael Onyedika schwamm ebenso wie die Offensivkräfte Fares Chaibi und Ritsu Doan nur mit. Und der viel thematisierte und kritisierte Can Uzun?
Der durfte diesmal von Beginn an ran und spielte anfangs sichtlich gehemmt. Ist keine einfache Zeit für den 20-Jährigen, das sieht man. Er probierte es zwar, das schon, er lief viel und grätschte selten, in Hälfte eins aber ohne nennenswerten Ertrag. Eine Großchance vergab er leichtfertig. Dann aber leistete er die Vor-Vorarbeit zur Führung und fand in der Schlussphase besser rein ins Spiel, inklusives eines Latten-Krachers. Wenn man so will: Uzun im Aufwindchen - wie das ganze Team.
Überbewerten sollte den Erfolg gegen kämpfende, aber sichtlich hohe Qualität vermissen lassende Hamburger im Frankfurter Lager aber besser niemand. Die Defensive stand zwar erneut stabil, auch die Einstellung passte, weiterhin ist das fußballerisch über zu lange Phasen der Spiele aber doch arg ruckelig. Hilfreich dürfte der Eintracht auf ihrem Entwicklungsprozess dagegen sein, dass am Samstag in der Bundesliga erneut der HSV als Gegner wartet, auch dann mit unverändert schlechter Personallage.
Die Frankfurter werden im heimischen Waldstadion also wieder als Favorit ins Spiel gehen. Ein Dreier bei nur acht Punkten und Platz 14 ist dann nahezu Pflicht. Vielleicht hilft der Schub des Pokalerfolgs. Oder die Qualität eines Spielers wie Jonathan Burkardt. Oder einfach beides.