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Kolumne | Spiesen-Elversberg/Leipzig · RB Leipzig hebelt die 50+1-Regel aus. Für die SV Elversberg gibt es am Samstag deshalb neben drei Punkten noch einen anderen Grund, den Red-Bull-Club zu ärgern.
In meiner letzten Kolumne habe ich einen Knall gefordert. Einen Knall auf dem Rasen, denn Fußball-Bundesligist SV Elversberg hatte wochenlang kein Tor geschossen. Und siehe da: Beim 4:3-Sieg gegen den FC Augsburg drehte die Kaiserlinde durch. Elfmeter hier, VAR-Check da, drei Tore für den FCA – und eins mehr für die SVE. Chapeau! Und ich weiß, ich wiederhole mich: Aber an diesem Samstag braucht es den nächsten Knall. Dieses Mal gegen RB Leipzig.
Die SVE hat ihre nächste Mitgliederversammlung angekündigt. Ein ganz normaler Vorgang, sollte man meinen. Doch dahinter steckt ein Prinzip, das den deutschen Fußball im euorpäischen Vergleich einmalig macht: die 50+1 Regel. Die Mitglieder deutscher Clubs sollen weiterhin das Sagen behalten. Das schützt Vereine davor, zum Spielball milliardenschwerer Investoren zu werden, die sie als Spekulationsobjekte betrachten und Fans mit horrenden Ticketpreisen zur Kasse bitten. Grüße gehen raus nach England.
„Rasenballsport Leipzig e.V.“, wie der Red-Bull-Club offiziell heißt, steht für das genaue Gegenteil. RB umgeht 50+1 nicht durch eine offizielle Ausnahme, sondern mit einem perfiden Trick: Gerade einmal 22 stimmberechtigte Mitglieder gibt es beim Brauseclub. Rund 1200 weitere dürfen dazugehören, aber nicht mitentscheiden. Ein Schelm, wer vermutet, dass der kleine erlesene Kreis dem Getränkekonzern nicht gerade fernsteht. Das ist, als würde die SV Elversberg zur Mitgliederversammlung einladen und dann erklären, dass nur die Familie Holzer abstimmen dürfte. Der Rest zahlt den Beitrag und klatscht. Das ist zum Glück nicht so.
Mich ärgert dieses Konstrukt rund um Leipzig maßlos. Denn es steht für alles, was im Fußball falsch läuft: wirtschaftliche Macht statt Mitbestimmung, Konzerninteressen statt Vereinsdemokratie. Dass der Dosenclub damit jahrelang durchgekommen ist, ist ein Armutszeugnis. Nun hat das Bundeskartellamt die 50+1-Regel grundsätzlich bestätigt und die Bundesliga aufgefordert, einen offenen Zugang zur Mitgliedschaft sicherzustellen. Auch in Leipzig könnte sich also etwas ändern – irgendwann. Und um auch das zu sagen: Natürlich können Spieler und Fans nichts für diese Struktur. Doch am Samstag darf es trotzdem krachen. Jeder Sieg gegen einen solchen Club ist ein Sieg für den Fußball generell.
Also, liebe Elversberger: Macht es wie bei der Mitgliederversammlung. Zeigt, wer hier das Sagen hat.