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Eigentlich sollte Esteban Ocon beim Großen Preis von Mexiko um WM-Punkte kämpfen. Stattdessen musste der 30-jährige Franzose sein Cockpit räumen – und sieht sich nun mit schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert. Nach einem Streit mit Haas-Teamchef Ayao Komatsu soll Ocon gegenüber seinem Vorgesetzten handgreiflich geworden sein. Der Rennfahrer weist das entschieden zurück. Was hinter den Kulissen tatsächlich passiert ist, bleibt vorerst unklar.
Fest steht: Der US-amerikanische Rennstall ersetzte Ocon am Samstag überraschend durch den japanischen Ersatzfahrer Ryo Hirakawa. Eine konkrete Begründung für die Entscheidung lieferte Haas zunächst nicht.
Begonnen haben soll der Konflikt bereits am Freitag während des zweiten freien Trainings in Mexiko-Stadt. Ocons Renningenieurin Laura Müller hatte den Franzosen angewiesen, an die Box zu kommen, um von Soft- auf Medium-Reifen zu wechseln.
Doch Ocon wollte offenbar nicht mitspielen. „Nein, ich will auf den Soften bleiben. Tut mir das nicht an!“, soll er über den Teamfunk geantwortet haben.
Bei der anschließenden Teambesprechung sei die Stimmung bereits angespannt gewesen, berichtet die deutsche „Bild“-Zeitung.
Am Samstagvormittag habe Ocon versucht, die Angelegenheit in einem persönlichen Gespräch mit Teamchef Komatsu zu klären. Doch die geplante Aussprache soll anders verlaufen sein als erhofft.
Laut dem „Bild“-Bericht soll Komatsu dem Fahrer mitgeteilt haben, dass er kein Interesse an einem Gespräch habe. Ocon wiederum habe darauf bestanden, das Büro erst zu verlassen, wenn die Meinungsverschiedenheiten ausgeräumt seien.
Als der Teamchef den Raum verlassen wollte, soll ihn Ocon an der Schulter gepackt und festgehalten haben.
Eine unabhängige Bestätigung für diese Darstellung gibt es bislang nicht. Auch die französische Sportzeitung „L’Équipe“ berichtete über eine mögliche körperliche Auseinandersetzung zwischen Fahrer und Teamchef.
Haas selbst äußerte sich nicht zu den konkreten Vorwürfen. Gegenüber „Sky“ erklärte Komatsu lediglich: „Ich kann nicht ins Detail gehen, aber sagen, dass er nicht krank ist.“
Damit stellte der Teamchef zumindest klar, dass gesundheitliche Probleme nicht der Grund für den überraschenden Fahrerwechsel waren.
Der Franzose wollte die Berichte über sein angebliches Verhalten nicht unwidersprochen stehen lassen. In einer Stellungnahme in den sozialen Netzwerken bestätigte er zwar, dass es zu einem Streit gekommen sei, widersprach aber ausdrücklich der Darstellung einer körperlichen Eskalation.
Es sei „aufgrund unterschiedlicher Standpunkte zu einer Diskussion“ gekommen, erklärte Ocon.
Following the recent decision from Haas F1 Team confirming that I will not be participating in this weekend’s Mexico City Grand Prix, I wish to formally address some media reports and speculation surrounding the situation. Last night, a difference in viewpoints led to a discussion with the parties involved. Whilst I acknowledge that this took place, I categorically reject any reports or allegations suggesting that any form of physical violence was used to resolve any differences of any nature. I strongly condemn violence in all its forms and firmly believe that disagreements should always be handled with professionalism, respect, and mutual understanding. I kindly ask that speculation be avoided while the matter is being addressed. Further updates will be communicated in due course.
— Esteban Ocon (@OconEsteban) October 31, 2026
Dann wurde er deutlich: „Ich bestätige zwar, dass es dazu gekommen ist, weise jedoch jegliche Berichte oder Anschuldigungen entschieden zurück, die suggerieren, dass zur Beilegung von Meinungsverschiedenheiten jeglicher Art körperliche Gewalt angewendet worden sei.“
Der 30-Jährige betonte zudem: „Ich verurteile Gewalt in jeder Form aufs Schärfste.“
Gleichzeitig appellierte er, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. „Ich bitte darum, Spekulationen zu unterlassen, solange die Angelegenheit geklärt wird. Weitere Informationen werden zu gegebener Zeit bekannt gegeben.“
Damit stehen sich vorerst zwei Darstellungen gegenüber: Medienberichte über einen angeblich körperlichen Zwischenfall und das ausdrückliche Dementi des betroffenen Rennfahrers.
Für Ocon könnte die Angelegenheit weitreichende sportliche Konsequenzen haben.
Sein Abschied von Haas zum Saisonende war bereits beschlossene Sache. Nach zwei Jahren beim US-Rennstall soll sein Cockpit 2027 an den brasilianischen Ferrari-Nachwuchsfahrer Rafael Camara gehen.
Nun könnte die Zusammenarbeit allerdings deutlich früher enden. Wie die „Bild“ berichtet, sollen bereits Anfang der kommenden Woche Gespräche über eine vorzeitige Vertragsauflösung stattfinden.
Offiziell bestätigt ist eine solche Entscheidung bislang nicht.
Ocon hat Mexiko inzwischen verlassen und sich auf den Rückweg nach Europa gemacht. Ob er in dieser Saison noch einmal für Haas an den Start gehen wird, ist offen.
Während Ocons Zukunft ungewiss ist, bekommt ein anderer Fahrer unverhofft seine große Chance.
Ryo Hirakawa übernimmt beim Großen Preis von Mexiko das Haas-Cockpit. Für den 32-jährigen Japaner ist es das erste Formel-1-Rennen seiner Karriere.
Hirakawa bringt reichlich Erfahrung aus dem Langstreckensport mit. Dort gewann er bereits drei Weltmeistertitel.
Beim kommenden Grand Prix in Brasilien soll laut Medienberichten hingegen Rafael Camara zum Einsatz kommen. Der 21-Jährige ist ohnehin als Ocons Nachfolger für die kommende Saison vorgesehen.
Für Ocon, der 2016 erstmals in der Formel 1 antrat, könnte damit eine lange Phase als Stammfahrer zu Ende gehen. Nach aktuellem Stand hat der Franzose für 2027 kein festes Cockpit.
Ob der Streit mit seinem Teamchef tatsächlich das vorzeitige Ende seiner Haas-Karriere besiegelt, hängt nun von den weiteren Entscheidungen des Rennstalls ab.
Bis dahin bleibt vor allem eine Frage unbeantwortet: Was ist bei der Auseinandersetzung zwischen Ocon und Komatsu wirklich passiert?
(VOL.AT)